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Beispiele für Arbeitsformen in der Frühförderung

Die Arbeit in der Frühförderung deckt ein weites Spektrum ab und erfordert viel Flexibilität. Die Inhalte der einzelnen Fördereinheiten sind individuell auf das Kind zugeschnitten. Hierbei werden immer das Entwicklungsalter, der Behinderungsgrad und spontan auch die individuelle Tagesform der Kinder berücksichtigt.

Die ganz kleinen Kinder besuchen wir zu Hause, wie z. B. am Dienstag: Da geht es zu Marie. Für Marie liegen Glitzerkugeln, Leuchtkegel und quietschende Enten parat. Sie dienen im dunklen Raum der visuellen Stimulation, die einen wichtigen Bereich in der Frühförderung darstellt. Marie ist von den Lichteffekten und den Geräuschen fasziniert und schaut aufmerksam auf die Leuchtkegel und Glitzerkugeln, die mit einer Taschenlampe angestrahlt werden. Weil alles andere im Dunkeln liegt, fällt es Marie leicht, ihre Aufmerksamkeit auf die angebotenen Reize zu richten. So wird sie auch nicht von anderen Dingen in ihrer Nähe abgelenkt.

Die Mutter von Marie hat noch viele Fragen zur Art und Auswirkung der Sehschädigung ihrer Tochter. Die Beratung und Unterstützung der Eltern ist ein großer und wichtiger Teil der Frühförderung.

Als nächstes geht es zu Simon. Fröhlich sortiert er die Farbplättchen auf der Leuchtplatte und verfolgt die Bewegung der transparenten Rolle. Erst durch den starken Kontrast ist es ihm möglich, die verschiedenen Gegenstände zu fixieren, sie visuell zu verfolgen und gezielt nach ihnen zu greifen.


Ist das Kind schon in einem Kindergarten, so wie Annika, wird das Kind dort besucht. Die Frühförderung findet i.d.R. in einem separaten und möglichst ruhigen Raum statt. Für Annika sind Bauklötze in der Tasche. Sie werden im Zimmer versteckt und gesucht. Hierbei können Strategien zur Raumerkundung, Orientierung und Mobilität vermittelt werden. Anschließend baut Annika aus den Bauklötzen einen Turm und trainiert so ihre Auge-Hand-Koordination.

Neben klassischem Spielzeug arbeitet die Frühförderung auch viel mit selbst hergestellten Materialien, die einen attraktiven Aufforderungscharakter für sehgeschädigte und blinde Kinder haben. So können Lernerfolge erzielt werden, die alle Beteiligten motivieren.

Bei Kira kommt z.B. ein selbstgebasteltes Mobile aus beklebten CDs zum Einsatz. Kira ist aufgrund einer mehrfachen Behinderung in ihrer Motorik und Kognition stark eingeschränkt. Trotzdem strengt sie sich sehr an, um mit ihren Händen die CDs in Schwung zu versetzen und ist sichtlich stolz, wenn es ihr gelingt.

Anschließend wird sie in den sogenannten Kleinen Raum gelegt: ein großer Karton, der nach einem Konzept von Lilli Nielsen mit verschiedenen Materialien beklebt und behängt wurde, um einem Kind wie Kira vielfältige Sinneserfahrungen zu ermöglichen und sich selbst als Verursacher von Geräuschen und Bewegungen wahrzunehmen.

Zur bestmöglichen Förderung eines Kindes beinhaltet die Arbeit in der Frühförderung auch eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit Eltern, Erziehern und Therapeuten. Im Fall von Kira findet daher im Anschluss an die Frühförderung noch ein Therapeutengespräch mit der Physiotherapeutin und der Logopädin statt. Hier wird geschaut, ob Methoden der anderen Therapeuten aufgegriffen und in die eigene Förderung mit eingebaut werden können

Am Mittwoch Nachmittag ist ein Termin für ein Erstgespräch vereinbart. Die Eltern von Nils haben Auffälligkeiten im Sehverhalten ihres Kindes bemerkt. Jetzt werden verschiedene Materialien eingepackt, um festzustellen, ob Nils z.B. Schwierigkeiten hat, Dinge zu fixieren und zu verfolgen. Wenn Nils in die Sehfrühförderung aufgenommen wird, werden mit den Eltern gemeinsam die nötigen Formulare ausgefüllt.

Am nächsten Tag wird ein blindes Kind besucht. Kim soll Murmeln in einem Muldenbrett verteilen, so dass jede Mulde von genau einer Murmel besetzt ist. So werden der Tastsinn trainiert und die Fingerfertigkeit gestärkt. Ohne visuelle Kontrolle ist es gar nicht so leicht, sich einen Überblick zu verschaffen, welche Mulden noch frei sind!

Später schauen wir uns noch zusammen ein Tastbuch für blinde Kinder an. Der Text ist sowohl in Schwarzschrift für Sehende als auch in Brailleschrift gedruckt. Auch blinde Kinder können so schon erste Erfahrungen mit Schrift sammeln. Passend zum Text gibt es Elemente zum Fühlen und eine kleine Figur, mit der Gehörtes nachgespielt werden kann.

Am Freitag geht es zu Darius, ein Kind, das im nächsten Sommer eingeschult wird und deshalb montags unsere Vorschule besucht. Trotzdem können die Vorschulkinder auch weiterhin im Kindergarten besucht werden und von der 1:1-Förderung profitieren. Mit Darius werden graphomotorische Übungen zur Vorbereitung auf das Schreiben durchgeführt. Auf einer Maltafel und auf Arbeitsblättern übt er Schwünge, Striche und einfache Formen.

Nachmittags steht mit Darius und seinen Eltern noch ein gemeinsamer Besuch beim Optiker an. Dort wird seine Brille überprüft und getestet, ob er im Hinblick auf die Schule mit weiteren Hilfsmitteln wie einer Lupe oder einem Monokular versorgt wird.

Nach diesem Termin ist eine bunte Arbeitswoche zu Ende. Die Aufgaben einer Frühförderkraft der Martin-Bartels-Schule sind sehr verschieden und vielfältig – genauso wie die Kinder, die wir betreuen.